StarCraft-Chroniken Kapitel 16 · Ein Thron auf den Leichen der Verbündeten
Kapitel dieser Geschichte
- Die Klauen des Verrats schlagen auf Korhal ein
- Zerstörtes Vertrauen und brennender Zorn
- Die entführte Matriarchin und ein erzwungener Handel
- Stoß ins Herz von Char
- Eine traurige Klinge für die Befreiung
- Die in der Dunkelheit gezeugte Abscheulichkeit
- Der gewaltige Zusammenstoß bei Omega
- Das Testament des Admirals und die Königin des Schwarms
- Überprüfte Quellen
Dies ist eine auf den Ereignissen des Originalspiels basierende Fan-Erzählung. Die Emotionen der Charaktere, Dialoge und die Atmosphäre der Szenen wurden neu gestaltet und enthalten wesentliche Spoiler zum Ende.
Die Klauen des Verrats schlagen auf Korhal ein

Über dem aschgrauen Himmel von Korhal lag für kurze Zeit eine trügerische Ruhe. Noch ehe die Siegesnachricht über die erfolgreiche Rückeroberung der Hauptstadt des Dominion verhallt war, begann Kerrigans Zerg-Schwarm, die Unachtsamkeit der Alliierten auszunutzen und sich heimlich in Bewegung zu setzen. Mengsks Truppen und die Expeditionsstreitkräfte der Protoss ruhten sich in ihren Lagern aus und pflegten ihre Wunden, und niemand ahnte, dass ein blutiger Verrat so schnell über sie hereinbrechen würde.
General Edmund Duke saß tief in den Kommandosessel seines Flaggschiffs, der Norad III, gelehnt und lächelte triumphierend. Er schwelgte in dem Gedanken, an der Seite von Imperator Mengsk erneut den Ruhm von Korhal zu genießen, als plötzlich ein schriller Alarmton in seinen Ohren gellte. Die roten Punkte, die die Radarschirme füllten, waren die Zerg-Schwärme, die eigentlich als Verbündete eingestuft waren, und sie rasten mit mörderischer Geschwindigkeit auf die orbitale Verteidigungslinie des Dominion zu.
Noch ehe Duke die Situation erfassen und der gesamten Flotte Gefechtsbereitschaft befehlen konnte, rammte ein riesiger Schwarm von Geißeln unbarmherzig den Rumpf der Norad III. Die Panzerung des Schiffes riss auf, und die Schreie der Besatzung, die von den eingedrungenen Zerg-Kreaturen abgeschlachtet wurde, gellten durch die Kommunikationskanäle. Duke befahl voller Zorn das Feuern der Hauptgeschütze, doch der Reaktor des Flaggschiffs war bereits tödlich beschädigt und geriet außer Kontrolle.
Auf der in Flammen stehenden Brücke versuchte Duke bis zum Schluss Widerstand zu leisten, während er nach Mengsk rief. Doch die Säure der hereinströmenden Hydralisken schmolz seine alte Uniform und seinen Körper erbarmungslos dahin, und der gealterte General des Dominion fand an Bord des Schiffes, dem er sein Leben gewidmet hatte, im Orbit von Korhal ein jähes Ende. Die gewaltigen Trümmer der Norad III stürzten als brennende Meteore auf die Oberfläche von Korhal herab.
Zur gleichen Zeit spielte sich auch im Lager der Protoss auf dem Boden ein furchtbares Gemetzel ab. Fenix spürte die Erschütterungen, die sich durch das Chassis seines Dragoners ausbreiteten, und blickte mit entsetztem Blick auf die Zerg-Sporenkapseln, die aus dem Himmel herabregneten. Tief in seinem Inneren hatte er geahnt, dass Kerrigan sie eines Tages verraten würde, doch er hatte nicht erwartet, dass sie einen derart umfassenden Überraschungsangriff starten würde, noch ehe das Blut ihrer Allianz getrocknet war.
Fenix sammelte sofort seine Krieger und bildete eine Verteidigungslinie, doch die schiere Größe des Schwarms, den Kerrigan mobilisiert hatte, übertraf all ihre Vorstellungen. Schleicher, die aus dem Boden brachen, zerschlugen die Formationen der Protoss-Infanterie, während die den Himmel verdunkelnden Mutalisken die Energienetze zerstörten und die Reichweite der Photonenkanonen verspotteten. Fenix kämpfte an vorderster Front mit aller Kraft, feuerte unaufhörlich seine Phasen-Disruptoren ab und versuchte verzweifelt, sein Volk zu schützen.
Doch die endlos anbrandende Welle der Zerg drohte selbst den Willen des alten, müden Protoss-Helden zu brechen. Als eine Horde von Ultralisken die Verteidigungslinie durchbrach, fielen die Fenix eskortierenden Zeloten einer nach dem anderen auf grausame Weise. Obwohl Fenix spürte, wie sein mechanischer Körper an seine Grenzen stieß und Warnsignale von sich gab, wich er keinen Schritt zurück und feuerte zerstörerische Energie auf die Beine der gigantischen Bestien.
Schließlich stürzten sich Dutzende von Zerg-Kreaturen auf Fenix' Dragoner, rissen die dicke Panzerung auf und zerstörten die internen Lebenserhaltungssysteme. Fenix verlor bis zum letzten Moment nicht seine Ehre als Krieger und starrte seine Feinde grimmig an, doch als die scharfen Klauen sein mechanisches Herz durchbohrten, verschwamm seine Sicht. Der große Held von Aiur fand auf dem staubigen Boden von Korhal inmitten kalter Metalltrümmer seine ewige Ruhe.
Zerstörtes Vertrauen und brennender Zorn

Als Jim Raynors Raiders auf der Oberfläche von Korhal eintrafen, wurden sie nur von dichtem Rauch und den schrecklichen Spuren eines Gemetzels empfangen. Die Stützpunkte des Dominion und die Lager der Protoss waren bis zur Unkenntlichkeit zertrampelt, und auf dem Boden lagen nur zerrissene Banner und zerbrochene Metalltrümmer verstreut. Von einer bösen Vorahnung gepackt, führte Raynor verzweifelt einen Suchtrupp an und begab sich ins Zentrum des Protoss-Lagers, um nach Überlebenden zu suchen.
Dort entdeckte Raynor die rauchenden, völlig zertrümmerten Überreste eines riesigen Dragoners. Es war das Chassis von Fenix, dem Kameraden, dem er mehr als jedem anderen vertraut und auf den er sich verlassen hatte. Raynor sank auf die Knie, legte seine Hand auf die kalt gewordene Metallpanzerung und ließ den Kopf hängen, unfähig, den aufwallenden Schmerz und die Verzweiflung zu bändigen. Ein unterdrücktes Stöhnen entwich seinen rauen Atemzügen, und seine Fäuste ballten sich so fest, dass fast Blut austrat.
In Raynors Kopf zogen unzählige Erinnerungen an Gespräche und Kämpfe an der Schwelle zwischen Leben und Tod, die er mit Fenix geteilt hatte, wie ein Film vorbei. Jener edle Krieger, mit dem er über die Grenzen der Spezies hinweg eine wahre Bruderschaft geteilt hatte, war nun Kerrigans gierigem Ehrgeiz grausam zum Opfer gefallen. Raynor erkannte schmerzhaft, dass Fenix' Tod nicht nur den Verlust eines Kriegers bedeutete, sondern den Verlust der letzten Hoffnung und Menschlichkeit, die er hatte beschützen wollen.
In diesem Moment ertönte eine vertraute, aber schauderhafte Stimme aus Raynors Kommunikator. Es war Kerrigan. Sie spottete über den Tod von Fenix und Duke und verkündete kalt, dass dies das natürliche Ende für jeden sei, der sich ihr in den Weg stelle. Die einstige Wärme der Frau, die er geliebt hatte, war völlig verschwunden; nur das Hohnlachen eines Monsters, das nach Gemetzel und Herrschaft gierte, drang schmerzhaft in Raynors Gehörgang.
Raynor starrte in die Augen der Königin der Klingen auf dem Bildschirm und gab jede Hoffnung auf einen Funken Menschlichkeit auf, von dem er geglaubt hatte, er könnte noch in ihr existieren. Die Sarah Kerrigan, die er gekannt hatte, war schon vor langer Zeit gestorben; das Wesen vor ihm war nichts als ein Dämon, der das gesamte Universum ins Verderben stürzen würde. In Raynors Brust verwandelte sich die Trauer in einen unbändigen, kalt brennenden Zorn.
Raynor unterdrückte seinen kochenden Zorn und schwor Kerrigan mit leiser, entschlossener Stimme Rache. Er verkündete, dass er ihr eines Tages mit eigenen Händen das Lebenslicht ausblasen würde, und selbst wenn es nicht morgen sei, würde er sie bis ans Ende des Universums jagen, um sie für diesen schrecklichen Verrat bezahlen zu lassen. In seiner Stimme lag nicht der geringste Zweifel, sondern nur die bittere Entschlossenheit, Fenix' Seele Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Kerrigan belächelte Raynors Schwur spöttisch und sagte, dass sie ihn am Leben lassen würde, obwohl sie ihn auf der Stelle töten könnte. Sie spottete, dass er keine Bedrohung für ihren Schwarm darstelle, und brach die Verbindung ab, nachdem sie ihm den grausamen Fluch hinterlassen hatte, ein Leben lang in Verzweiflung und Schmerz zu verbringen. Vor dem dunkel gewordenen Bildschirm biss sich Raynor auf die Lippen und schwor sich, dass ihre Arroganz sie eines Tages ins Verderben stürzen würde.
Raynor kehrte mit den wenigen überlebenden Männern in gedrückter Stimmung auf die Hyperion zurück. Während er das aschgraue Land von Korhal hinter sich ließ, saß er im Cockpit des Schiffes und blickte in die endlose Schwärze des Weltalls. Sein Herz war vor Rachsucht kalt gefroren, und er akzeptierte schweigend, dass der Weg, den er nun beschreiten musste, eine einsame und beschwerliche Reise war, die einzig auf den Untergang der Königin der Klingen abzielte.
Die entführte Matriarchin und ein erzwungener Handel

Während Zeratul im Inneren eines geheimen Tempels auf Shakuras in tiefer Meditation versunken war, spürte er plötzlich eine schreckliche Trennung im mentalen Netzwerk der Leere. Die Aura von Raszagal, der spirituellen Stütze der Dunklen Templer und ihrer großen Matriarchin, war spurlos verschwunden. Zeratul suchte entsetzt jeden Winkel des Tempels ab, doch in den Gemächern der Matriarchin zeugten nur der typische, verrottete Kriecher der Zerg und die Spuren einer gewaltsamen Entführung von dem Geschehen.
Vor dem in Verwirrung gestürzten Zeratul und den Dunklen Templer öffnete sich eine Hologramm-Übertragung, und Kerrigans Gestalt erschien. Mit einem für sie typischen, hinterlistigen Lächeln verkündete sie, dass sie Raszagal in 'Sicherheit' wiege. In Zeratuls Augen loderte ein blaues Leuchten vor Zorn auf, und er drohte, das Herz des Schwarms in Schutt und Asche zu legen, wenn sie die Matriarchin nicht sofort freigäbe, doch Kerrigan blieb völlig unbeeindruckt.
Kerrigan nutzte Raszagals Leben als Pfand, um Zeratul zu einem grausamen Handel zu zwingen. Er soll den neuen Overmind, den das Vereinigte Erd-Direktorat (UED) auf Char kontrollierte, mit der Macht der Dunklen Templer vollständig vernichten. Sie wusste, dass nur die Leerenenergie der Dunklen Templer die Lebenskraft des Overminds dauerhaft auslöschen konnte, und wollte Zeratuls Klinge benutzen, um ihre eigene Herrschaft zu sichern.
Zeratul wusste nur zu gut, dass dieses Angebot eine Falle war und dass Kerrigan im Sektor zur unangefochtenen Herrscherin des Zerg-Schwarms aufsteigen würde, sobald der Overmind vernichtet war. Doch Raszagal war die Seele der Dunklen Templer selbst, und ihr Verlust bedeutete den Untergang ihres Volkes. In diesem Dilemma ballte Zeratul die Fäuste und versank in tiefer Qual, während in seinem Inneren die Pflicht gegenüber dem großen Ganzen und das Wohl der Matriarchin heftig miteinander rangen.
In diesem Moment erschien Raszagals Gestalt auf dem Bildschirm. Mit einer überraschend ruhigen Stimme wies sie Zeratul an, auf Kerrigans Forderung einzugehen. Zeratul bemerkte einen leicht fremdartigen Unterton in der Stimme der Matriarchin und ihre trüben Augen, was in ihm einen kalten Verdacht weckte, doch die schiere Verzweiflung, sie retten zu müssen, vernebelte seine Vernunft.
Letztlich blieb Zeratul keine Wahl, als den demütigenden Bedingungen zuzustimmen. Er rang Kerrigan das Versprechen ab, die Matriarchin sofort nach der Vernichtung des Overminds unversehrt zu übergeben, und beendete die Übertragung. Mit schweren Schritten verließ Zeratul den Tempel und rief seine vertrautesten Dunklen Templer zusammen. In ihren Gesichtern spiegelte sich eine Mischung aus Zorn und Trauer wider, doch sie waren bereit, ihr Leben zu geben, um ihre Matriarchin zu retten.
Zeratul und seine Truppen bestiegen ein getarntes Schiff und nahmen Kurs auf Char, die Heimatwelt der Zerg. Während des gesamten Fluges durch das All konnte Zeratul den letzten Blick von Raszagal nicht vergessen und wurde von einer bösen Vorahnung geplagt. Die Angst, dass ihre Seele bereits von einer finsteren Macht korrumpiert worden sein könnte, schnürte ihm die Kehle zu, doch er drängte den Gedanken mühsam beiseite und versuchte, sich auf die bevorstehende Schlacht zu konzentrieren.
Als sie in den Orbit von Char eintraten, wurden sie von rot glühenden Lavafeldern und dem bestialischen Gestank der Zerg-Horden empfangen, die die Atmosphäre erfüllten. Mitten in das Chaos des Schlachtfelds, auf dem die Verteidigungslinien des UED und wilde Zerg aufeinanderprallten, begann Zeratul seinen Abstieg, verborgen im Schatten und getrieben von dem einzigen Gedanken, Raszagal zu retten. Es war der Beginn der tragischsten Mission in der Geschichte der Dunklen Templer.
Stoß ins Herz von Char

Die Oberfläche von Char war von kontrollierten Zerg-Schwärmen unter dem Einfluss des Psi-Disruptors des UED und von UED-Verteidigungstruppen dicht belagert. Zeratul und die Dunklen Templer glitten durch die Schatten, hielten ihre Sinne geschärft und umgingen geschickt die Patrouillen der Feinde, während sie sich ihrem Ziel näherten. Ihr Ziel war einzig und allein das Herz des neuen Overminds, der in einem riesigen Krater im Zentrum des Planeten pulsierte.
Die Verteidigungslinien des UED waren stark, doch sie konnten die heimlichen Bewegungen der Dunklen Templer, die die Energie der Leere nutzten, nicht vollständig aufhalten. Jedes Mal, wenn Zeratuls Kosmische Klinge durch die Luft schnitt, fielen UED-Soldaten und kontrollierte Zerg lautlos zu Boden, bis sie schließlich vor den riesigen Tentakeln und dem Nervennetzwerk standen, die den Overmind umgaben. Der Overmind war zwar noch unvollständig, doch die Psi-Energie, die er ausstrahlte, war so überwältigend, dass sie die Luft um ihn herum flimmern ließ.
Zeratul blickte zu der abscheulichen Gestalt des Overminds auf und bündelte die Energie der Leere bis zum Äußersten in seiner Kosmischen Klinge. Das tiefgrüne Leuchten, das von der Klinge ausging, brannte so heftig, als wolle es das rote Licht der umgebenden Lava verschlingen. Eingedenk der Opfer seines Volkes und des Schicksals der Matriarchin sprang er mit einem Satz empor und stieß das Schwert mit aller Kraft in den verwundbarsten Nervenkern des Overminds.
In dem Moment, als die Kosmische Klinge den Nervenkern des Overminds durchbohrte, erschütterte ein ohrenbetäubender, schrecklicher Schrei ganz Char. Die Energie der Leere begann, die Lebenskraft des Overminds an ihrer Wurzel zu vernichten, und die gewaltige Fleischmasse zuckte heftig zusammen, bevor sie langsam in sich zusammenbrach. Das Psi-Kontrollnetzwerk, das das UED über den Overmind aufrechterhalten hatte, zersplitterte, und die nun kontrolllosen Zerg-Horden gerieten in extreme Verwirrung und begannen, sich gegenseitig zu zerfleischen.
Als der Overmind seinen letzten Atemzug tat, erschien Kerrigan wie erwartet auf dem Schlachtfeld, umgeben von zahllosen Zerg-Leibwächtern. Sie brach in ein triumphierendes Lachen aus, als sie spürte, wie die unzähligen, nun befreiten Zerg-Schwärme augenblicklich unter ihre eigene Psi-Kontrolle fielen. Nun gab es in diesem Sektor niemanden mehr, der ihren Schwarm kontrollieren konnte, und sie war endgültig zur wahren Königin der Klingen aufgestiegen.
Zeratul steckte seine Klinge weg und trat mit zornverzerrtem Gesicht an Kerrigan heran. Er forderte sie energisch auf, Raszagal wie versprochen sofort freizulassen, da er den Overmind vernichtet habe. Kerrigan nickte triumphierend und rief Raszagal, die hinter ihr gestanden hatte, nach vorn. Zeratul atmete erleichtert auf, als er die Matriarchin unversehrt sah, und streckte seine Hand aus, um sie zu empfangen.
Doch Raszagal wies Zeratuls Hand kalt zurück und trat an Kerrigans Seite zurück. Sie blickte Zeratul mit ausdruckslosen, leeren Augen an und verkündete, dass es ihre einzige Freude sei, der großen Königin der Klingen zu dienen, und dass sie niemals von ihrer Seite weichen würde. In diesem Moment fror Zeratuls Herz zu Eis, und er hatte das Gefühl, als würde selbst die Luft um ihn herum bleischwer herabsinken.
Zeratul zitterte am ganzen Körper angesichts dieser unfassbaren Realität. Erst jetzt begriff er, dass Raszagal nicht bloß als Geisel gehalten worden war, sondern schon vor langer Zeit vollständig von Kerrigans schrecklicher Gedankenkontrolle korrumpiert und zu ihrer Marionette degradiert worden war. Die bittere Wahrheit, dass die weiseste Anführerin der Dunklen Templer zu einer Sklavin der Zerg geworden war, zerriss Zeratuls Seele in Stücke.
Eine traurige Klinge für die Befreiung

Zeratuls Welt schien in Scherben zu liegen. Raszagal, die über Jahrhunderte hinweg die Dunklen Templer angeführt hatte und das Symbol für Weisheit und Barmherzigkeit gewesen war, schwor nun der abscheulichen Zerg-Königin zu ihren Füßen blinden Gehorsam. Zeratul rief verzweifelt den Namen der Matriarchin, doch von ihren Lippen kamen nur bizarre, hohle Worte des Lobpreises für Kerrigan.
Kerrigan genoss Zeratuls qualvollen Schmerz und lächelte hämisch. Sie erklärte, dass sie Raszagals Geist schon auf Shakuras heimlich infiltriert und sie manipuliert hatte, und spottete, dass jede Handlung Zeratuls und der Protoss-Allianz letztlich genau nach ihrem Plan verlaufen war. Dieses grausame Geständnis war wie ein Todesurteil, das selbst den letzten Funken Hoffnung in Zeratul unbarmherzig zertrat.
Zeratul versachte, die Macht der Leere zu bündeln, um den Schleier der Dunkelheit zu lüften, der Raszagals Geist umhüllte. Doch die Zerg-Korruption, die Kerrigan eingepflanzt hatte, war bereits so tief in der Seele der Matriarchin verwurzelt, dass sie mit keinem Mittel mehr rückgängig gemacht werden konnte. Es war offensichtlich, dass ein gewaltsames Aufbrechen der Gedankenkontrolle Raszagals Selbst völlig zerstören und sie in ewiger Qual gefangen halten würde.
Während er im Sumpf der Qualen versank, traf Zeratul schließlich die schrecklichste und unvermeidlichste Entscheidung. Er konnte nicht tatenlos zusehen, wie die große Anführerin der Dunklen Templer zu einer Sklavin der Zerg degradiert und auf ewig geschändet wurde. Es gab nur einen Weg, ihr wahren Frieden zu schenken: ihren Körper zu zerstören, um ihre korrumpierte Seele zu befreien. Heiße Tränen liefen aus Zeratuls Augen und netzten seine rauen Wangen.
Mit zitternden Händen umfasste Zeratul den Griff seiner Kosmischen Klinge neu. Er ließ den Zorn, der auf Kerrigan gerichtet war, fallen und blickte Raszagal mit Augen an, die nur von tiefer Trauer erfüllt waren. In einem Moment, der kein Zögern duldete, schnellte Zeratul wie ein Blitz nach vorn und stürmte nicht auf Kerrigan, sondern auf Raszagal zu. Seine Bewegung war so schnell und entschlossen, dass selbst Kerrigan nicht rechtzeitig reagieren konnte und die Augen weit auf riss.
Im Moment des blauen Blitzes durchbohrte die scharfe Schneide der Kosmischen Klinge Raszagals Brust. Der Körper der Matriarchin schwankte heftig, und ein schmerzhaftes Stöhnen entwich ihrem Mund. Als die Lebenskraft, die ihren Körper band, erlosch, zersprangen auch die Psi-Ketten Kerrigans, die ihren Geist gefesselt hatten. Zeratul fing Raszagals sinkenden Körper behutsam in seinen Armen auf.
An der Schwelle des Todes kehrte endlich ein klares Licht in Raszagals Augen zurück. Obwohl sie Blut spuckte, lächelte sie friedlich und dankte Zeratul aus tiefstem Herzen dafür, dass er sie aus dieser schrecklichen Knechtschaft befreit hatte. Raszagal berührte mit zitternder Hand Zeratuls Gesicht und glitt in ewiges Schweigen hinüber, nachdem sie ihm als letztes Vermächtnis die Zukunft der Dunklen Templer anvertraut hatte.
Zeratul hielt den kalten Leichnam der Matriarchin im Arm und schrie wie ein verwundetes Tier gen Himmel. Das Echo dieser bitteren Trauer zerriss die rote Atmosphäre von Char. Anstatt Zorn über den Verlust ihrer Marionette zu zeigen, erkannte Kerrigan, dass es eine weitaus grausamere Strafe war, Zeratul am Leben zu lassen, damit er sich ein Leben lang in den Qualen und der Schuld winden musste, die Matriarchin mit eigenen Händen getötet zu haben. Mit einem boshaften Lächeln entließ sie ihn spöttisch, und Zeratul verschwand mit einer unheilbaren Wunde in seiner Seele in der Dunkelheit.
Die in der Dunkelheit gezeugte Abscheulichkeit

Nachdem er wie ein Flüchtling von Char entkommen war, irrte Zeratul in tiefer Trauer durch das All. Da erfasste das Radar seines Schiffes ein schwaches, aber seltsames Protoss-Energiesignal von einem dunklen, nicht kartografierten Mond. Von dem Zweifel geplagt, dass in diesem trostlosen Grenzgebiet unmöglich Angehörige seines Volkes existieren konnten, landete Zeratul im Tarnmodus vorsichtig auf der Oberfläche des Mondes, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Unter der Oberfläche des Mondes lag eine künstlich angelegte, riesige und düstere Forschungseinrichtung verborgen. Als Zeratul die Dunkelheit durchbrach und die Einrichtung betrat, erhellte eine eisige Kälte zusammen mit dem blauen Licht der Maschinen seine Sicht. Am Ende des Korridors angekommen, erblickte Zeratul eine Reihe riesiger Stasiskammern, und als er deren Inhalt sah, stockte ihm der Atem.
In den Stasiskapseln schlummerten Kreaturen, in denen die edle Körperstruktur der Protoss und das abscheuliche organische Gewebe der Zerg auf bizarre Weise miteinander verschmolzen waren. Es war eine schreckliche Blasphemie gegen die Naturgesetze, ein gewaltsam erschaffener 'Hybrid' aus den Essenzen beider Spezies. Zeratul legte seine Hand auf eine der Kapseln und spürte eine bis ins Mark gehende Angst vor den bösartigen, überwältigenden Psi-Wellen, die diese Monster ausstrahlten.
In diesem Moment trat eine vertraute Gestalt aus den tiefen Schatten der Einrichtung hervor. Es war Samir Duran. Er empfing Zeratul mit einer arroganten und erhabenen Gelassenheit, die sich völlig von seiner Zeit als Kerrigans Untergebenen unterschied. Zeratul zog sofort seine Kosmische Klinge und warnte ihn, Kerrigans finstere Pläne unverzüglich einzustellen, doch Duran lachte nur spöttisch und antwortete, dass er gewiss nicht der Königin der Klingen diene.
Die Wahrheit, die aus Durans Mund drang, übertraf Zeratuls Vorstellungskraft bei Weitem. Duran offenbarte, dass er weder ein einfacher Mensch noch ein infizierter Zerg sei, sondern ein Wesen, das im Laufe von Jahrtausenden unter zahllosen Namen bekannt gewesen war. Er verkündete, dass er einem gewaltigen, uralten Meister diene, der in den fernen Abgründen des Universums schlummere und an den selbst Kerrigan nicht heranzureichen wage, und dass dieses Hybrid-Experiment nur ein Teil des großen Plans dieses Meisters sei.
Durans Präsenz unterschied sich von jedem Feind, dem Zeratul je gegenübergestanden hatte. Tief in seinen Augen lag ein schauerlicher Abgrund, als blicke er auf das Ende des Universums. Duran prophezeite hochmütig, dass die Hybriden auf diesem Mond nur ein winziger Bruchteil der unzähligen Testobjekte seien und dass schon bald die im ganzen Universum verstreuten Hybriden erwachen würden, um alles Leben in einen Kreislauf des Verderbens zu stürzen.
Angesichts dieser schrecklichen, apokalyptischen Verkündung packte Zeratul ein unbändiger Zorn, und er schwang seine Kosmische Klinge gegen Duran. Doch kurz bevor die Klinge Durans Hals durchtrennen konnte, löste sich seine Gestalt wie Rauch auf und verschwand im Nichts. In der Einrichtung hallte nur noch Durans bizarres Lachen wider und gellte in Zeratuls Ohren, während die Hybriden in den Stasiskammern weiterhin unheilvoll pulsierten.
Zeratul verließ die Einrichtung mit einer unzerstörbaren, tiefen Verzweiflung. Er spürte, dass ein riesiger Schatten der Dunkelheit heraufzog, der das gesamte Universum verschlingen würde – so sehr, dass selbst die Trauer um Raszagal wie ein Luxus wirkte. Mit der schweren Pflicht auf den Schultern, seinem Volk diese schreckliche Wahrheit zu verkünden, begann er seinen einsamen Flug in die unbekannten Tiefen des dunklen Weltalls.
Der gewaltige Zusammenstoß bei Omega

Auf der Omega-Plattform, einer riesigen Raumstation im Orbit von Char, stand Kerrigan allein und genoss das Herannahen des gewaltigen Sturms. Ihre Psi-Sinne nahmen die Wellen von drei gigantischen Flotten, die den Hyperraum durchbrachen, deutlich wahr. Als sich schließlich alle Feinde, die ihre Herrschaft infrage stellten, an einem Ort versammelten, umspielte ein grausames Lächeln ihre Lippen.
Die Schwärze des Alls durchschneidend, erschienen gleichzeitig die Flotte des Dominion unter Mengsk, die Protoss-Expeditionsstreitkräfte unter Artanis und die verbliebene Flotte des UED unter Admiral DuGalle. Die drei Fraktionen, die einander eigentlich hassten, schlossen eine temporäre Allianz, um die absolute Bedrohung durch die Königin der Klingen zu beseitigen, und begannen eine heftige Offensive, indem sie von allen Seiten das Feuer auf die Omega-Plattform eröffneten.
Laser und Antimaterie-Raketen, die von Hunderten von Schlachtkreuzern und Trägern abgefeuert wurden, erhellten den Himmel von Char taghell. Der koordinierte Angriff der Alliierten war präzise und tödlich; mit unaufhörlicher Feuerkraft durchbrachen sie rasch die äußeren Verteidigungslinien der Zerg. Dieser gewaltige Angriff, getrieben von Rachsucht gegen Kerrigan und der schieren Verzweiflung des Überlebenskampfes, schien den Zerg-Schwarm zu überwältigen.
Doch Kerrigan stand mit ausgebreiteten Armen an der Spitze der Plattform und entfesselte den wahren Zorn des Zerg-Schwarms, der nun, befreit von der Kontrolle des Overminds, vollständig unter ihr vereint war. Von der Oberfläche und aus dem Orbit von Char stiegen unzählige Geißeln und Mutalisken wie schwarze Wolken empor und stürzten sich auf die Flotte der Alliierten. Es war ein Sturm aus schierer, erdrückender Masse, der jede Taktik und Strategie bedeutungslos machte.
Als Erste zeigte die Dominion-Flotte von Mengsk Anzeichen des Zusammenbruchs. Die Panzerung der Schlachtkreuzer schmolz unter den ätzenden Sporen der riesigen Vernichter dahin, und eingedrungene Zerg-Kreaturen schlachteten die Besatzung ab. Mengsk versuchte über die Kommunikationskanäle Flüche gegen Kerrigan auszustoßen und bis zum Ende zu kämpfen, doch als die Schäden an seinem Flaggschiff das Limit erreichten, musste er schließlich den schmachvollen Rückzug befehlen.
Auch die Protoss-Flotte unter Artanis, die die rechte Flanke hielt, kämpfte auf verlorenem Posten. Die von den Trägern gestarteten Interceptoren zogen Lichtbahnen und mähten die Zerg-Horden nieder, doch sie wurden von der schieren Zahl der Feinde, die trotz aller Verluste unaufhörlich nachdrängten, allmählich überwältigt. Artanis traf die schmerzhafte Entscheidung, dass weitere Opfer nur den Untergang seines Volkes bedeuten würden, und zog sich mit den verbliebenen Schiffen aus der Schlacht zurück.
Nach dem Rückzug des Dominions und der Protoss blieb nur noch die UED-Flotte unter Admiral DuGalle isoliert auf dem Schlachtfeld zurück. Kerrigan konzentrierte die gesamte Feuerkraft des Schwarms auf die UED-Flotte, und riesige Leviathane begannen, die schutzlosen Schlachtkreuzer wie Papier zu zerreißen. DuGalles Flotte leistete verzweifelten Widerstand, sank jedoch in den von allen Seiten heranstürmenden Wellen der Zerg unaufhaltsam dahin.
Beim Anblick des letzten brennenden und explodierenden UED-Schiffes stieß Kerrigan auf der Omega-Plattform einen Siegeschrei aus. Nachdem sie die Allianz der drei Spezies vollständig zerschmettert hatte, stand sie nun als absolute Herrscherin ohne Rivalen im Koprulu-Sektor da. Vor der Kulisse des Weltalls, das mit den zerrissenen Leichen ihrer Verbündeten und den Trümmern zerstörter Schiffe übersät war, war der dunkle Thron der Königin der Klingen vollendet.
Das Testament des Admirals und die Königin des Schwarms

Das UED-Flaggschiff Aleksandr, das dem Orbit von Char nur knapp entkommen war, trieb in einem erbärmlichen Zustand durch das All. Mehr als die Hälfte des Schiffes war zerstört und hatte die Energie verloren; in den Gängen sprühten Funken unter schrillen Warnsirenen. Die wenigen überlebenden Besatzungsmitglieder schwiegen in tiefer Verzweiflung, und die Hoffnung, jemals zur Erde zurückzukehren, war längst in Scherben zerfallen.
Admiral Gerard DuGalle saß allein in seiner dunklen, stillen Kapitänskajüte und starrte geistesabwesend ins Leere. Sein Ehrgeiz, mit dem er einst stolz ausgezogen war, um den Ruhm der Erde im Koprulu-Sektor zu verbreiten, war nun zu einer schweren Fessel der absoluten Niederlage geworden, die ihm die Kehle zuschnürte. Die Heimat Erde, zehntausende Lichtjahre entfernt, wirkte nun wie eine unerreichbare Fata Morgana.
In DuGalles Kopf tauchte wie ein Gespenst die Erinnerung an seinen schrecklichsten Fehler auf. Der Moment, in dem er sich von Durans Lügen hatte täuschen lassen, seinen lebenslangen Freund Alexei Stukov verraten und in den Tod getrieben hatte, stach ihm wie ein scharfes Messer ins Herz. Die bittere Schuld, dass seine eigene Arroganz, mit der er Stukovs Warnungen ignoriert hatte, letztlich die gesamte Expeditionsstreitmacht ins Verderben geführt hatte, lastete schwer auf ihm.
Er hob seine schwere Hand und holte einen altmodischen Füllfederhalter und Papier aus der Schreibtischschublade. Anstelle hochmoderner digitaler Geräte wollte er seine letzten wahren Gefühle auf Papier festhalten. DuGalle dachte an seine geliebte Frau Helena, die er auf der Erde zurückgelassen hatte, und begann mit zitternder Hand, seinen Abschiedsbrief zu schreiben. In der Tinte, die auf dem Papier verlief, spiegelten sich die Trauer eines besiegten Generals und unwiderrufliche Reue wider.
In dem Brief gestand DuGalle all seine Fehler. Er schrieb die bittere Wahrheit nieder, dass nicht der Feind Alexei getötet hatte, sondern seine eigene Dummheit, und dass kein einziges Schiff der UED-Expedition je zur Erde zurückkehren würde. Er bat seine Frau, ihm nicht zu vergeben, erkannte an, dass die Verantwortung für all diese Tragödien einzig bei seinem eigenen Hochmut lag, und vollendete die letzten Abschiedsworte.
In dem Moment, als er den Stift niederlegte, ertönte hinter der dicken Panzerung der Aleksandr ein schauderhaftes metallisches Scharren. Kerrigan hatte nie die Absicht gehabt, sie entkommen zu lassen, und die Zerg-Horden brachen bereits durch die Außenhülle des Schiffes ins Innere ein. Als die Todesschreie der Besatzung und das Brüllen der Bestien die Tür der Kapitänskajüte erreichten, schloss DuGalle leise die Augen und akzeptierte sein Schicksal.
DuGalle griff nach der Pistole, die auf dem Schreibtisch lag, und richtete sie langsam gegen seine Schläfe. In dem Moment, als die Tür barst und die abscheulichen Klauen der Zerg aus der Dunkelheit auftauchten, zerriss ein einzelner, kalter und trockener Schuss die Stille der Kajüte. Das Leben des großen Admirals endete kläglich in einem fremden Sektor des Alls, und die UED-Expeditionsstreitkräfte verschwanden für immer in den Annalen der Geschichte.
Zur gleichen Zeit stand Kerrigan allein auf der Oberfläche von Char und blickte in das Sternenlicht, das den Nachthimmel zierte. Alle Feinde, die sie bedroht hatten, waren vernichtet, und der gewaltige Schwarm atmete einzig nach ihrem Willen. Im Koprulu-Sektor, den die Flammen des Brood War verwüstet hatten, blieben nur tiefe Dunkelheit und Schweigen zurück, und die Königin der Klingen blickte von ihrer einsamen Spitze auf das Universum herab, bereit für den Beginn ihrer langen Herrschaft.
Überprüfte Quellen
Offizielle StarCraft-Chroniken von Blizzard
Offizielle Spieleinführung zu StarCraft: Brood War
Offizielle Story-Inszenierung und Referenzbilder von StarCraft: Remastered
Blizzards Hintergrund- und offizielle Designdaten zu Kerrigan
Offizieller Download von StarCraft: Brood War und Kauf von Remastered
Kommentare 1
피닉스가 쓰러진 잔해를 보며 레이너가 느꼈을 허탈함은 정말 상상조차 안 되네요. 용기병의 마지막이 이렇게까지 비극적일 줄은 몰랐어요. 😭